Literaturnachweis: Mehilli, J., Eckardt, L., Laufs, U. et al.
Stellungnahme zur kritischen Bewertung der Nationalen VersorgungsLeitlinie zur chronischen koronaren Herzerkrankung
Kardiologie
https://doi.org/10.1007/s12181-025-00744-w
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Autorengruppe
Julinda Mehilli · Lars Eckardt · Ulrich Laufs · Jana Boer · Ralf Birkemeyer · Stephan Frantz · Volker Schächinger · Felix Mahfoud · Christian Perings · Alexander Ghanem · Axel Linke · Dirk Westermann · Georg Ertl · Bernd Nowak · Norbert Henke · Eike Langheim · Holger Thiele
Zusammenfassung
Die nationalen Versorgungsleitlinien geben Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie, die auf aktuellen, repräsentativen und methodisch hochwertigen Studien basieren und die klinische Realität in Deutschland widerspiegeln sollen, um patientenzentrierte Handlungsempfehlungen zu bieten. Die aktuelle NVL zur chronischen koronaren Herzerkrankung (NVL-CCS) erfüllt diese Anforderungen jedoch nur unzureichend. Im Widerspruch zur wissenschaftlichen Evidenz und den Europäischen Leitlinien wird in der NVL-CCS der ungenaue Marburger Herz-Score zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden koronaren Herzerkrankung verwendet, ebenso wie eine feste Dosisstrategie der cholesterinsenkenden Statintherapie. Die prognostischen Vorteile einer Myokardrevaskularisation werden verneint, und die Empfehlungen zur Auswahl der Modalität der Myokardrevaskularisation bei komplexer KHK beruhen auf einer unkritischen und möglicherweise voreingenommenen Interpretation der vorhandenen Evidenz. Die Entscheidungshilfen für Patienten, die eine invasive Koronarangiographie oder Myokardrevaskularisation benötigen, sind weder evidenzbasiert noch praxisnah und wirken häufig verwirrend. Vor diesem Hintergrund haben die DGK, DGIM und DGRM beschlossen, die NVL-CCS nicht zu konsentieren und regen eine Überarbeitung der Leitlinien an.