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Positionspapier zur Bedeutung von Psychosozialen Faktoren in der Kardiologie

Literaturnachweis: Der Kardiologe, Band 2, Nr. 4
Kardiologe 2008 2: 274–287

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Autoren

K-H. Ladwig · F. Lederbogen · H. Völler · C. Albus · C. Herrmann-Lingen · J. Jordan · V. Köllner · J. Jünger · H. Lange · K. Fritzsche

Zusammenfassung

Hintergrund. Wachsende Evidenz für eine Interaktion zwischen dem Ausbruch und dem Voranschreiten einer Vielzahl von kardialen Erkrankungen mit psychosozialen Faktoren hat die Klinische Kommission der DGK dazu bewogen, ein Positionspapier zu diesem Gegenstandsbereich anzuregen.
Methoden. In einem formalisierten Expertenrating wurden von den 10 teilnehmenden Experten die für die Fragestellung relevanten Subdisziplinen, in denen gegenwärtig eine kritische Masse umsetzungsrelevanten psychokardiologischen Wissens vorhanden ist, ermittelt, die Evidenz zusammengetragen und bewertende Schlussfolgerungen für die Praxis gezogen.
Ergebnisse. Komorbide psychosoziale Parameter im Kontext der koronaren Herzerkrankung (KHK) erreichten die größte Aufmerksamkeit mit I-A-Empfehlungen für ein Depressionsscreening im Vorfeld und Verlauf der KHK; der Notwendigkeit zur Einbeziehung psychosozialer Konzepte in Strategien zur Verkürzung der Prähospitalzeit sowie für die Empfehlung einer routinemäßigen (Mit-)Behandlung psychosozialer Belastungsfaktoren in der Sekundärprävention der KHK. Eine weitere I-A-Empfehlung konnte für die Einbeziehung psychologischer Belastungsfaktoren in die Bewertung von Therapieverläufen von ICD-Patienten ausgesprochen werden. Weitere relevante Aufgabenfelder beziehen sich auf die Herzinsuffizienz und das Verhalten bei Herzoperationen. Insgesamt ist die Evidenzbasierung für die therapeutische Umsetzung schwächer als für Diagnostik und Früherkennung.
Schlussfolgerungen. Das Positionspapier formuliert eine Reihe von konkreten Anwendungsfeldern mit hoher Priorität für die Einbeziehung psychosozialer Faktoren in die kardiologische Praxis, die eine leitlinienkonforme Evidenz aufweisen. Forschungsdefizite existieren weiterhin für die Bewertung der Wirksamkeit von psychotherapeutischen Konzepten bei kardialen Patienten. Curricula für die Vermittlung von (psycho)diagnostischer, kommunikativer und differenzialdiagnostischer Kompetenz müssen rasch entwickelt werden, um eine Transmission des aktuellen Wissensstandes in die Alltagspraxis zu ermöglichen.