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Leitlinie-DGK

S2 Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der infektiösen Endokarditis

Literaturnachweis: Zeitschrift für Kardiologie, Band 93, Heft 12
Z Kardiol 93:1005-1021 (2004)

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Autoren

C. K. Naber

Zusammenfassung

Die Inzidenz der mikrobiell verursachten („infektiöse“) Endokarditis (IE) liegt bei 30/1 000 000. Die IE verläuft unbehandelt letal. Die Letalitätsrate hängt von klinischen Faktoren, dem ursächlichen Erreger aber auch vom Zeitpunkt der Diagnosestellung und der Einleitung einer adäquaten Therapie ab.
Die aktuelle Letalitätsrate in Deutschland beträgt bis zu 18%, die mittlere stationäre Verweildauer 42±29 Tage und die diagnostische Latenz 29±35 Tage. Eine chirurgische Intervention während einer floriden IE erfolgt bei mehr als 30% der Erkrankten.
Der in den letzten Jahrzehnten eingetretene Wandel des klinischen Erscheinungsbildes (mehr akute bis foudroyante, weniger subakute Verlaufsformen der IE) ist mit einer Veränderung der patientenseitigen Prädisposition, dem zunehmenden Alter und der Geschlechtsverteilung sowie einem veränderten Erregerspektrum zu erklären.

Um in der Zukunft die Patientenversorgung und dadurch die Prognose dieser schweren Erkrankung weiter verbessern zu können erscheinen vier Aspekte von zentraler Bedeutung:

  • Trotz niedriger Inzidenz muss eine mikrobiell verursachte IE differentialdiagnostisch bei jedem Patienten mit ungeklärtem Fieber oder neu entstandenen/nicht sicher zuzuordnenden Herzgeräuschen frühzeitig erwogen werden.
  • Bei Verdacht auf eine akut verlaufende IE ist eine echokardiographische Untersuchung unmittelbar, bei differentialdiagnostisch zu erwägender IE binnen 24 Stunden durchzuführen.
  • Bei vermuteter und gesicherter IE ist die Prognose des Patienten entscheidend von der Zusammenarbeit der Kardiologen, Mikrobiologen/Infektiologen und Herzchirurgen abhängig.
  • Bei schwierigen diagnostischen oder therapeutischen Situationen sollte frühzeitig die Hilfe eines Zentrums mit hoher Kompetenz in Anspruch genommen werden.