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Stellenwert der Hormonersatztherapie zur Prävention der Koronaren Herzerkrankungen bei Frauen

Literaturnachweis: Zeitschrift für Kardiologie, Band 91, Heft 5.
Z Kardiol 91:430-435 (2002)

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Autoren

C. Gohlke-Bärwolf · V. Regitz-Zagrosek · A.O. Mueck · R. H. Strasser

Zusammenfassung

Auf dem Boden des derzeitigen Erkenntnisstandes sind folgende Schlussfolgerungen zu ziehen:

  1. In der Regel wird die Therapie von dem Gynäkologen in Absprache mit dem Kardiologen neu begonnen. Bei Neubeginn sollte eine ausführliche Nutzen-Risiko-Analyse mit jeder Patientin individuell durchgeführt und besprochen werden.
  2. Der Neubeginn einer Hormonersatztherapie zur Prophylaxe kardiovaskulärer Ereignisse bei Patientinnen mit koronarer Herzerkrankung (Sekundärprävention) kann derzeit nicht empfohlen werden.
  3. Der Neubeginn einer Hormonersatztherapie ausschließlich mit dem Ziel einer Prophylaxe kardiovaskulärer Ereignisse in der Primärprävention kann derzeit ebenfalls nicht empfohlen werden.
  4. Frauen, die bisher eine Hormonersatztherapie gut vertragen haben, können diese unter Abwägung des Nutzen-Risiko-Profils bei stabiler KHK auch weiterhin fortführen.
  5. Nach einem Hirninsult sollten nach den Ergebnissen der WEST-STUDIE zunächst keine oralen Östrogene verabreicht werden.
  6. Ob und wann nach einem Myokardinfarkt oder Hirninsult (wieder) mit einer Hormonersatztherapie zur Therapie von Menopausenbeschwerden und Osteoporose begonnen werden kann, ist aufgrund der derzeitigen Studienlage nicht zu entscheiden. Auf Basis der HERS-Studie kann dies frühestens nach 12 Monaten empfohlen werden, wobei die Frage zur Zeit nicht beantwortet werden kann, ob eine
    HERT ab dem 2. Jahr nach MI tatsächlich mit einer Senkung des CV-Risikos verbunden ist, oder ob dieser Effekt nur durch die Selektionierung des Patientengutes (höhere Mortalität im 1. Jahr und MI) entsteht. Beim Myokardinfarkt liegen bisher keine ausreichenden Daten vor, die die Frage, ob eine Hormonersatztherapie sogar abgesetzt werden muss, beantworten. Allerdings ist das Morbiditätsrisiko erhöht.
  7. Bei hysterektomierten Frauen sollten Östrogene gegeben werden.
  8. Bei nichthysterektomierten Frauen sollte Östrogen plus Gestagen kombiniert verabreicht werden.
  9. Bei kardiovaskulären Erkrankungen sollte die Dosis des Gestagens minimiert werden. Die Verwendung von equinen Östrogenen kombiniert mit Medroxyprogesteronacetat ist nicht zu empfehlen.