Grafenberger Allee 100
40237 Düsseldorf
Tel.: + 49 211 600692-0
Fax: + 49 211 600692-10
info@dgk.org
Leitlinie-DGK

Kommentar zu den NASPE-Empfehlungen zur Entfernung von permanent implantierten, transvenösen Herzschrittmacher- und Defibrillatorsonden

Literaturnachweis: Zeitschrift für Kardiologie, Band 91, Heft 11.
Z Kardiol 91:956-968 (2002)

Download als PDF

Autoren

W. Hemmer · G. Fröhlig · A. Markewitz

Zusammenfassung

Seit Einführung der Herzschrittmachertherapie gibt es das Problem, dass Sonden wieder entfernt werden müssen. Die relevantesten Komplikationen, die üblicherweise eine Sondenentfernung notwendig machen, sind heutzutage Infektionen. Eine Inzidenz dieser Komplikation im Langzeitverlauf nach einer Schrittmacher(SM)-Implantation von 0,3–4,6% und bei Patienten mit einem implantierbaren Cardioverter/ Defibrillator(ICD) von 0–5% wird berichtet.

Sonstige sondenspezifische Probleme oder Fehlfunktionen werden zwar häufiger beobachtet (SM 2,2–9%; ICD 2–6%), machen aber im Gegensatz zu einer Infektion seltener eine Sondenentfernung notwendig. Nicht zuletzt dadurch, dass gehäuft bipolare Sondenmodelle extrahiert werden mussten, wurden im letzten Jahrzehnt zunehmend technische Hilfsmittel zur Sondenentfernung entwickelt. Nachdem sich aber gezeigt hatte, dass auch mit Verwendung dieser Hilfsmittel eine Sondenextraktion u.U. mit einer höheren Letalität und Morbidität verbunden sein kann als der natürliche Verlauf, erschien es sinnvoll, für den deutschsprachigen Raum entsprechende Leitlinien zu erarbeiten. Da von Seiten der North American Society of Pacing and Electrophysiology (NASPE) inzwischen Empfehlungen zur Sondenentfernung vorliegen, wurden aus Gründen der Kompatibilität und des wissenschaftlichen Austausches die Definitionen und Empfehlungen der NASPE übernommen, ggf. kommentiert oder – im Falle abweichender Meinungen – entsprechend ergänzt. Dies erscheint berechtigt, nachdem die systematische Literaturrecherche keine neuen Erkenntnisse erbrachte. Damit verbunden ist für diese Empfehlungen, wie für die der NASPE, ein niedriges Evidenzniveau. Nach den in Deutschland für die Erstellung von Leitlinien maßgeblichen Kriterien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften und der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung erreicht es für die Indikationen die Evidenzklasse C. Es ist allerdings zweifelhaft, ob sich das Evidenzniveau für die wesentlichen Indikationen anheben lässt, da üblicherweise für eine prospektive randomisierte Studie zu kleine Patientenzahlen vorliegen und bei manifester Systeminfektion eine Randomisierung ethisch nicht vertretbar ist. In logischer Ergänzung der NASPE-Publikation nehmen diese Empfehlungen überdies zu der Auswahl des Verfahrens Stellung und bieten klinische Algorithmen zur Entscheidungsfindung an.