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Revidierte Empfehlungen zur Prophylaxe bakterieller Endokarditiden

Literaturnachweis: Zeitschrift für Kardiologie, Band 87.
Z Kardiol 87:566-568 (1998)

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Autoren

D. Adam · K. Gahl · H. v. Gravenitz · D. Horstkotte · F. Kraus · H. Lode · J. Niebel · G. Peters · G.Ruckdeschel · G. Schumacher · E. Struck · K. Werdan

Zusammenfassung

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie — Herz- und Kreislaufforschung ver-öffentlichte vor 10 Jahren erstmals Empfehlungen zur Prophylaxe bakterieller Endokarditiden (Z Kardiol 1987; 76: 451-3). Sie konkurrierten mit ähnlichen, aber nicht gleichlautenden Empfehlungen der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V. (Z Antimicrob An-tineoplast Chemoth 1988; 6:9-12). Die revidierten Empfehlungen berücksichtigen den zwischenzeitlichen Wissenszuwachs und sind von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe beider Gesellschaften in Kooperation mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft „Endokarditis-Prophylaxe“ erstellt worden.

Dieses Merkblatt ist zur Verwendung in der Praxis- bzw. Klinikroutine konzipiert und deshalb kurz gefaßt. Präzisierungen des Textes finden sich zusammen mit allgemeinen Erläuterungen und Literaturangaben in einem kommentierenden Artikel (Z. Kardiol. 87 (1998) im Druck).

Trotz rückläufiger Letalität aufgrund der verbesserten Diagnostik und Therapie bleibt die bakterielle Endokarditis eine prognostisch ernste Erkrankung. Für die S.-viridans-Endokarditiden beträgt die Letalität aktuell 5-10 %. Für Erkrankungsfälle, die durch Enterokokken oder Staphylokokken verursacht sind, liegt sie z. T. beträchtlich höher. Die jährliche Inzidenz der Erkrankung hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und ist derzeit mit 20-30 Erkrankungsfällen/1 Million Einwohner anzunehmen.

In der Vergangenheit wurden zur Prophylaxe bakterieller Endokarditiden z. T. komplizierte Antibiotikaschemata vorgeschlagen. Um eine hohe Akzeptanz zu erreichen, sind jedoch praktikable Schemata notwendig. Die vorliegenden Empfehlungen berücksichtigen gleichermaßen klinische Erfahrungen mit der Antibiotika-Prophylaxe, die Ergebnisse wis-senschaftlicher Studien und die Vorschläge der Europäischen KonsensusKonferenz (Eur Heart J 1995;16 (Suppl. B); 126-31). Sie dienen der Orientierung; der behandelnde Arzt muß individuelle Umstände berücksichtigen und kann von diesen Empfehlungen in begründeten Einzelfällen abweichen. Um eine hohe Akzeptanz bei Patienten und Ärzten zu erzielen und die Durchführung der Prophylaxe zu vereinfachen, sind Herzpässe für Kinder und Erwachsene in jeweils zwei Fassungen verfügbar; nämlich für Patienten, die für eine En-dokarditis prädisponiert sind, und solche, die ein besonders hohes Endokarditis-Risiko aufweisen. Die Herzpässe können über die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie — Herz- und Kreislaufforschung bzw. die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e. V. angefordert werden. Beide Gesellschafen führen wie bisher eine Datei zur Dokumentation von Mißerfolgen und Unverträglichkeiten der vorgeschlagenen Antibiotika-Prophylaxe. Um entsprechende Mitteilungen wird gebeten.