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Empfehlungen zum INR – Selbstmanagment bei oraler Antikoagulation

Literaturnachweis: Zeitschrift für Kardiologie, Band 87.
Z Kardiol 87:983-985 (1998)

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Autoren

H. Körtke · C. Gohlke-Bärwolf · S. C. W. Heik · D. Horstkotte · R. Körfer

Zusammenfassung

Die orale Antikoagulation mit Cumarin-derivaten im Rahmen der Sekundärprophylaxe hat in der Medizin einen festen Stellenwert. Die Selbstkontrolle und Selbsttherapie sind bei chronisch Kranken nichts grundsätzlich Neues. Regel-mäßige Stoffwechselkontrollen und Anpassung der Insulindosis und Diabetesdiät sind bei gut geschulten Diabetikern weltweit akzeptiert und ein unerläßlicher Anteil der Diabetestherapie. Die Behandlung der Patienten mit Diabetes mellitus hat gezeigt, daß die The-rapiekontrolle durch den Patienten sehr effektiv und komplikations senkend durchgeführt werden kann. In Analogie zu den Diabetikern besteht für antikoagulierte Patienten ebenfalls die Möglichkeit einer Selbstkontrolle und Therapie ihrer Langzeitantikoagulation.

Nach relativ zuverlässigen Schätzungen stehen derzeit in der Bundesrepublik Deutschland etwa 460 000 Patienten unter oralen Antikoagulanzien. Davon haben etwa 100 000 Patienten einen Herzklappenersatz. Bei antikoa-gulierten Patienten hängt die Zahl der Komplikationen in Form von Blutungen oder Thromboembolien entscheidend von der stabilen Einstellung im individuellen therapeutischen Bereich ab. Für eine sichere Therapieführung sind daher regelmäßige Kontrollen der Thrombo-plastinzeit (TPZ) notwendig. Die inter-nationale Standardisierung der Throm-boplastin-Bestimmung zur Kontrolle der oralen Antikoagulationstherapie mittels des International Sensitivity In-dex (IST) und mit Ergebnisangabe als International Normalized Ratio (INR) führt zu einer deutlichen Verbesserung der Qualität der Therapie, insbesondere zu einer höheren Sicherheit. Deshalb soll auch bei der Selbstkontrolle die Er-gebnisangabe in INR erfolgen. Z. Zt. praktizieren in Deutschland über 20 000 Menschen die Selbstkontrolle der oralen Antikoagulation.

Für die Verordnung von Meßgeräten zur Selbstkontrolle der oralen Antikoa-gulation gelten die Richtlinien der Pro-duktgruppe 21 „Meßgeräte für Körperzustände/-funktionen“ der Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen. Die dort beschriebenen Meßgeräte sind ebenso wie die zugehörigen Testträger verordnungsfähig. Diese Meßgeräte müssen zur selbständigen Überwachung des Krankheitsverlaufes und zur selbständigen sofortigen Anpassung der Medikation aus medizinischen Gründen erforderlich sein.

Wird nur die Testung vom Patienten durchgeführt, die Dosisadjustierung aber weiterhin durch den betreuenden Arzt vorgenommen, so spricht man von einer INR-Selbstkontrolle.